Hall in Tirol — Glossar einer mittelalterlichen Stadt
Hall in Tirol, rund 10 km östlich von Innsbruck gelegen, war im Mittelalter eine der bedeutendsten Städte des Habsburgerreiches und ist heute die besterhaltene mittelalterliche Altstadt im Westen Österreichs. Für Gäste des Appartement Oachkatzl ist sie das nächstgelegene und lohnendste Ausflugsziel — zu Fuß durch die Gassen flanieren kostet nichts außer Zeit.
Geschichte: Salz, Silber und Stadtrecht
Die Salzstadt (1232–1477)
Die erste urkundliche Erwähnung Halls stammt aus dem Jahr 1232 — als salina in Intal iuxta Tavr castrum, Saline im Inntal nahe der Burg Thaur. Der Name leitet sich vom keltischen Wort für Salz ab, das auch in Hallstatt, Halle an der Saale oder Hallein weiterlebt.
Seit dem 13. Jahrhundert bildete das Salzbergwerk im Halltal die wirtschaftliche Grundlage der Region. Graf Meinhard II. von Tirol ließ 1272 den ersten Stollen anlegen und eine rund 10 km lange Soleleitung bis zur Stadt bauen, wo das Salz gesiedet wurde. Das Haller Salz gelangte via Inn und Donau bis in die Schweiz, den Schwarzwald und das Rheingebiet — und ließ Hall zur führenden Handelsstadt Nordtirols aufsteigen, bedeutender noch als das damals bescheidene Innsbruck.
Das Stadtwappen — zwei Löwen, die eine Salzkufe halten — erinnert noch heute an dieses Erbe. 1303 erhielt Hall das Stadtrecht. Im 14. und 15. Jahrhundert florierte die Stadt so stark, dass ihre Stadtansicht bei der Hochzeit von Francesco I. de’ Medici 1565 als Wandbild im Palazzo Vecchio in Florenz verewigt wurde.
1447 zerstörte ein verheerender Stadtbrand weite Teile des oberen Stadtviertels. Der Wiederaufbau brachte die gotischen Bürgerhäuser hervor, die heute das Stadtbild prägen.
Die Münzstadt (1477–1809)
1477 verlegte Erzherzog Sigmund die landesfürstliche Münzstätte von Meran nach Hall — angelockt durch die gute Befestigung und die Nähe zum Schwazer Silberbergbau, damals das größte Silberbergwerk der Welt.
1486 wurde in Hall der erste Guldiner geprägt — die erste große Silbermünze Europas und Vorläufer des Talers. Im 16. Jahrhundert revolutionierte die Haller Münzstätte die Welt der Münzprägung: die Walzenprägemaschine — die erste automatisierte Münzmaschine der Geschichte — wurde hier erfunden und eingesetzt. Die Innovation verbreitete sich über Spanien bis nach Südamerika; das letzte erhaltene Exemplar steht heute in Potosí, Bolivien. Eine Rekonstruktion ist im Münzmuseum Burg Hasegg zu sehen.
Die letzten Prägungen der Haller Münzstätte waren die Andreas-Hofer-Kreuzer von 1809, geprägt für den Tiroler Freiheitskampf.
Klöster, Damenstift und das 17. Jahrhundert
Im 15. und 16. Jahrhundert war Hall eine der bedeutendsten Städte im Habsburgerreich. 1567 gründete Erzherzogin Magdalena das Haller Damenstift — ein Konvent für unverheiratete Erzherzoginnen, der die Stadt über Jahrhunderte prägte. Das Franziskanerkloster folgte 1644.
1670 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,2 die Stadt — eines der stärksten in der Geschichte Österreichs. Die Erdbebenpfeiler, die viele Häuser der Altstadt noch tragen, erzählen davon.
Solbad Hall und die Moderne
Das Salzbergwerk im Halltal, seit 1272 in Betrieb, wurde 1967 geschlossen. Von 1938 bis 1974 trug die Stadt den Namen Solbad Hall — ein Verweis auf die Heilbäder, die das Salz ermöglicht hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurden Bahnhof und Kaserne schwer bombardiert; die Altstadt blieb fast unversehrt.
Die Sehenswürdigkeiten im Überblick
Münzturm & Burg Hasegg
Das Wahrzeichen der Stadt, Heimat des Münzmuseums mit der rekonstruierten Walzenprägemaschine. Der Turm bietet den schönsten Panoramablick über das Inntal. → burg-hasegg.at ↗
Oberer Stadtplatz
Das lebendige Herzstück der Altstadt mit Rathaus, Magdalenenbrunnen und umgebenden Renaissancebauten. Wochenmärkte, Stadtfest und Weihnachtsmarkt finden hier statt.
Stiftskirche St. Nikolaus
Bedeutendste spätgotische Hallenkirche Tirols, mit dem berühmten Waldauf-Reliquiar und hochgotischen Netzgewölben. Freier Eintritt.
Stadtmuseum Hall
Geschichte, Salzgewinnung, Münzprägung und Stadtkultur im historischen Stiftsviertel. → stadtmuseum-hall.at ↗
Altstadt — das mittelalterliche Gassenlabyrinth
Das autofreie Netz der Altstadtgassen ist Halls eigentliche Sehenswürdigkeit. Keine Gasse gleicht der nächsten, kein Innenhof ist wie der andere.
Wandern rund um Hall in Tirol
Hall ist ein hervorragender Ausgangspunkt für alpine Wanderungen — vom Innufer-Spazierweg bis zur Hochgebirgstour auf die Bettelwurfhütte. → Alle Wandertipps →
Highlights:
- Halltal — Naturschutzgebiet mit historischem Salzbergwerk und Wildgämsen, direkt hinter der Stadt
- Bettelwurfhütte (2.077 m) — klassische Halbtagestour mit Panorama über das Inntal
- Innuferweg Hall–Volders — flacher Familienspazierweg entlang des Inn, am Appartement Oachkatzl vorbei
Essen & Trinken in Hall
Halls Gastronomie reicht von rustikaler Tiroler Küche bis zu modernen Cafés und Craft-Bier-Lokalen. Die Altstadt bietet auf engem Raum bemerkenswerte Vielfalt. → Restaurant-Guide Hall →
Vom Appartement nach Hall: Alle Optionen
| Verkehrsmittel | Dauer | Hinweis |
|---|---|---|
| Auto | ca. 12 Min. | Parkgarage Stadtgraben empfohlen |
| Bus Linie 4020 | ca. 20 Min. | Haltestelle Volderberg → Haltestelle Stadtmitte |
| Fahrrad (Innuferweg) | ca. 40–50 Min. | Größtenteils flach, sehr schön |
| Zu Fuß | ca. 90 Min. | Über Innuferweg, machbar als Tagestour |
Praktische Infos
| Entfernung vom Oachkatzl | 10 km / ca. 12 Min. |
| ÖPNV | Buslinie 4020, ca. 20 Min., Haltestelle Stadtmitte |
| Parken | Stadtgarage Hall (Stadtgraben), günstig, ganztägig |
| Koordinaten | 47°17′ N, 11°30′ E — Google Maps ↗ |
| Stadtrecht seit | 1303 |
| Einwohner | ca. 14.770 (2023) |
| Seehöhe | 574 m ü. A. |
Tipp für den Besuch: Planen Sie mindestens einen halben Tag ein — die Altstadt entfaltet sich erst beim langsamen Flanieren. Kombinieren Sie den Besuch mit der Bettelwurfhütte für einen perfekten Ganztagsausflug vom Oachkatzl.