Stiftskirche St. Nikolaus — Tirol in Stein
Die Stiftskirche St. Nikolaus überragt die Altstadt von Hall in Tirol und ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden. Sie gilt als die bedeutendste spätgotische Hallenkirche Tirols — ein Bautypus, bei dem Haupt- und Seitenschiffe gleich hoch sind und gemeinsam unter einem Dach zusammenwachsen.
Baugeschichte
Die Geschichte der Kirche in Hall reicht bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück. Die heutige Kirche ist im Wesentlichen ein Bau des 15. und 16. Jahrhunderts, entstanden in mehreren Phasen im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt durch Salzhandel und Münzprägung.
Der Typus der gotischen Hallenkirche — drei gleichhohe Schiffe unter einem gemeinsamen Dach — entstand im deutschsprachigen Raum und verbreitete sich über Bayern und Österreich. In Tirol ist St. Nikolaus Hall das herausragende Beispiel dieser Bauform.
Das Innere beeindruckt durch seine hochgotischen Netzgewölbe — Gewölbe, deren Rippen sich wie Äste eines Baumes verzweigen und ein dichtes, organisch wirkendes Netz bilden. Die Raumwirkung ist trotz der imposanten Dimensionen erstaunlich harmonisch.
Das Waldauf-Reliquiar
Das kostbarste Einzelobjekt in St. Nikolaus ist das berühmte Waldauf-Reliquiar — eine der bedeutendsten Reliquiensammlungen des deutschen Sprachraums, gestiftet vom Ritter Florian Waldauf von Waldenstein um 1500.
Waldauf war Vertrauter Kaiser Maximilians I. und hatte versprochen, im Falle seiner Rettung aus einem Seesturm eine bedeutende Stiftung zu errichten. Das Ergebnis war eine Sammlung von über 700 Reliquien aus verschiedenen Teilen Europas, präsentiert in aufwendigen Schreinen und Monstranzen. Ab 1501 wurde die Sammlung in Hall gezeigt und zog Pilger aus dem gesamten Alpenraum an.
Die Sammlung ist in Teilen noch heute in der Kirche zu sehen und gilt als kunsthistorisches Juwel.
Die Stadtpfarre heute
St. Nikolaus ist keine reine Touristensehenswürdigkeit — sie ist aktive Stadtpfarrkirche von Hall. Regelmäßige Gottesdienste, Kirchenmusik und Veranstaltungen füllen den Raum mit Leben.
Die Kirchenmusik genießt in Hall eine lange Tradition: Die Orgel und der Kirchenchor der Stadtpfarre sind regional bekannt. Ein Besuch während einer Sonntagsmesse lohnt sich auch für Nicht-Gläubige allein wegen der Akustik und Atmosphäre.
→ Gottesdienstzeiten und Veranstaltungen der Stadtpfarre ↗
Das Damenstift
Unmittelbar neben der Kirche befindet sich das ehemalige Haller Damenstift, gegründet 1567 von Erzherzogin Magdalena für unverheiratete Töchter des Hauses Habsburg. Das Stift prägte Hall über Jahrhunderte — wirtschaftlich, kulturell und architektonisch. Die zugehörigen Gebäude bilden heute das Stiftsviertel, das im Stiftsmarkt (Christi Himmelfahrt) einmal jährlich zum Veranstaltungsmittelpunkt wird.
Praktische Infos
| Adresse | Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, Stiftsplatz, 6060 Hall in Tirol |
| Eintritt | Kostenlos |
| Öffnungszeiten | Täglich (Gottesdienste: siehe Pfarrhomepage) |
| Entfernung Oachkatzl | 10 km / 12 Min. |